Pressestimmen

Wochenblätter Erster Teil (1-26) beim Kulturfreitag Bretten

 

Ein unmoralisches Angebot wird abgelehnt - BNN vom 10.08.2020
Kultur-Freitag: Philipp Lingenfelser gastiert mit dem Programm „Wochenblätter“ vor dem Brettener Rathaus
Wie sehr den Kulturinteressierten die Corona-Zwangspause in ihren Wohlbefinden beeinträchtigt hat, zeigte sich beim vierten Brettener „Kultur-Freitag”. Die Veranstaltung war bei 130 zu vergebenen Plätzen restlos ausverkauft, und noch viel mehr Karten hätten einen Abnehmer gefunden wenn es denn möglich gewesen wäre, aber die Corona-Abstandsregeln bestimmen auch die mögliche Besucherzahl. Dieses Mal präsentierte sich auf dem Alfred-Leicht-Platz vor dem Rathaus mit Philipp Lingenfelser ein echter „Lokalmatador“ auf der Bühne, der unüberhörbar einen eigenen Fankreis mitgebracht hatte. Lingenfelser, studierter Musikpädagoge, Germanist und Gesangslehrer leitet in der Region sechs Chöre, allein von jedem dieser 
waren einige Mitglieder im Publikum. Auf die Bühne brachte er sein aktuelles Programm „Wochenblätter Erster Teil (1-26)“. Hatte er sich im letzten Jahr noch seinen
„Kalenderblättern“ gewidmet, wo er regelmäßig kleine Gedichte vertonte, so hatte er sich für dieses Jahr mit seinen „Wochenblättern“ vorgenommen, jede Woche ein musikalisches Werk zu verfassen, keine Sinfonien, sondern eher kleine charmante, mal lustige, mal nachdenkliche und anspruchsvolle Lieder. Schon bei seinen letzten Programmen fiel sein schier unbegrenzter Einfallsreichtum auf, zu allem scheint ihm was einzufallen, ob zu banalen Ereignissen, zu literarischem, zur Liebe oder auch aktuell natürlich zu Corona, davon nicht zu viel, aber es durfte nicht fehlen. Mit seiner markanten, hohen Tenorstimme und der mit schönen verschiedenen Sounds ausgestalteten Keyboard-Begleitung präsentierte er zu fast jeder Woche eine kleine musikalische und textliche Perle, eigentlich wollte er alle Wochen abdecken, aber die zeitliche Begrenzung verhinderte dieses.
Er begann mit der ersten Woche des Jahres und einer Bach-Verfremdung mit dem Titel „Sternengesang“, wo er die Thematik der drei Königssinger aufnahm. Die Problematik seines „Tinnitus“ verpackte er in ein sehr schräges, witziges Stück, wo die Musik die ganze Problematik der störenden und beeinträchtigenden Töne darstellte. Im Anschluss gab es das erste Liebeslied, in dem er fragte wie viel Wert denn eine Beziehung hat, dieses gemessen an der Versuchung durch eine „unmoralisches Angebot“. Klar, dass er dieses ausschlug und die Frage positiv beantwortete. So ging es dann mit Corona und einem Lied zur Maskenpflicht, einem Beziehungsratgeber und einem Lied für die Jüngsten weiter durch das Programm, das Lingenfelser ohne zwei Zugaben für das begeisterte Publikum nicht beenden durfte.
Thomas von Haefen
  

Raus aus dem Alltag – rein in den Schalttag

Gelungenes Chorkonzert des Gesangvereins Gondelsheim mit abwechslungsreichem Programm

Ein wirklich abwechslungsreiches Programm hatte der Gesangverein MGV Liederkranz Gondelsheim bei seinem Jahreskonzert in der alten Gondelsheimer Turnhalle seinem sehr zahlreichen Publikum zu bieten. So standen nicht nur der traditionelle Männerchor und der gemischte Chor „Swingin“ auf der kleinen, aber feinen Bühne. Dirigent Philipp Lingenfelser hatte zusätzlich eines seiner neuen Projekte mitgebracht, das Quintett „Jazzkombüse Kraichgau“, dass dem Publikum einige Jazzklassiker in neuem vokalem Gewand präsentierte.

Ein Querschnitt aus der Arbeit von elf Jahren

BNN, 2. März 2020


Für Lingenfelser war dieser Abend aus einem anderen Grund etwas Besonderes, denn es sollte sein letztes Konzert mit dem Gondelsheimer Männerchor werden. 2009 hatte er den Männerchor und anschließend Swingin als Dirigent übernommen, seinerzeit überraschend und fast von einem Tag auf den anderen, da sein Vorgänger das Dirigat nach internen Irritationen kurzfristig niedergelegt hatte. Elf Jahre leitet er mittlerweile erfolgreich beide Chöre, und zudem weitere drei in anderen Kraichgaugemeinden, sodass für ihn die Zeit gekommen ist, bei einem Chor auf Wiedersehen zu sagen, um sich neuen Projekten zu widmen. Diese Trennung verlief freundschaftlich, und das merkte man dem Chor bei seinem Vortrag an.

Zuerst trat Swingin auf die Bühne, mit poppigen Arrangements und fetzigen Rhythmen präsentierten sie „Let It Be“ von den Beatles und „Something Stupid“, 1967 ein Nummer-eins-Hit von Frank und Nancy Sinatra. Bestens unterstützt wurden sie von der Rhythmusgruppe der „Jazzkombüse Kraichgau“, die fünf wunderbare Jazz- und Bossa-Nova-Standards in neuem Gewand aufführte.Lingenfelser hatte erfrischende deutsche Texte auf Klassiker wie „How High The Moon“ oder Carlos Jobims „Girl from Ipanema“ geschrieben, daraus wurden nun „Lass mich nicht allein“ und „Das Girl vom Timmendorfer Strand“. Die von ihm wunderbar gesungenen, charmanten Gesangsparts waren eingebettet in klasse Arrangements und Improvisationen von Piano und Altsaxofon und einer souveränen Rhythmusgruppe. Diese begleitete später den Männerchor, der den zweiten Teil des Abends gestaltete.

Lingenfelser hatte sich zuerst mit dem selbstkomponierten Lied „Abschied“ vom Chor verabschiedet, und der Männerchor bereitete sich selbst und dem Dirigenten ein echtes Abschiedsgeschenk. Mit großer Sangesfreude sowie sehr guter Intonation und Dynamik boten sie einen umjubelten Querschnitt ihres Schaffens aus elf Jahren, immer mit einem Augenzwinkern und ein wenig Wehmut.Besonders gelangen „Der Hahn von Onkel Glacometo“ und Reinhard Meys „Diplomatenjagd“ sowie die peppigen Nummern mit der Band. Ein würdiges Abschiedskonzert! Vorstand Michael Waltz dankte für die Arbeit, überreichte ein Geschenk und freute sich sehr, dass der Dirigent zumindest Swingin erhalten bleibt!

Thomas van Haefen